Verhängnisvolle Träume

Dominik Haas, Benjamin Poole, Laura Reber

Die unheimliche Silhouette hatte Sie nun schon seit einer Ewigkeit verfolgt. Elsa versteckt sich immer wieder in halboffenen Schränken oder schlüpft um eine Ecke, aber die Gestalt scheint genau zu wissen, wo sie ist, und schlurft ihr langsam durch die endlosen Gänge nach.
Jedesmal, wenn Elsa ängstlich durch einen Spalt guckt ist sie wieder näher. Elsa nimmt anlauf und rennt so schnell sie kann in einen dunklen Gang hinein, sie rennt bis sie nicht mehr kann und bleibt dann keuchend stehen. Triumphierend schaut sie über die Schulter - und blickt genau in ein grauenvolles, fratzenhaftes Gesicht.
Mit einem lauten Schrei reisst sie sich selbst aus dem Schlaf. Das Gesicht aus dem Traum wird unscharf und fern. Es bleibt ihr dennoch wie ein zäher Nebel im Gedächtnis hängen. Der Morgen schleicht sich über den Horizont, als sie ihr Frühstück vorbereitet. Der Geruch vom Kaffee belebt ihre Lebensgeister ein wenig. Dennoch wird sie das unheimliche Gefühl nicht los, bis sie etwas gestresst zur Arbeit aufbricht.
Elsa kommt pünktlich im Spital an und beginnt ihre tägliche Routine. Sie verstaut ihren kleinen Rucksack und ihre Jacke im Schliessfach und sucht dann ihre heutigen Einteilungen auf dem riesigen Arbeitsplan, der an der Wand hängt. Die Nacht war nicht erholsam gewesen. Elsa flucht innerlich, dass sie am Abend zuvor schon wieder einen spannenden Horrorstreifen gucken musste. Ihre ungesunden Schlafgewohnheiten würden sie noch teuer zu stehen kommen.
Eine Hand legt sich auf ihre Schulter, sie zuckt zusammen und blickt erschrocken nach hinten. Sie hatte langsam genug von diesen Schockmomenten, weshalb sie Sören einen entnervten Blick zuwirft. “Was willst du?” sagt sie dann leiser als gewollt. “Guten Morgen Elsa!” der überschwingliche Ton trieft vor Künstlichkeit. “Du kannst mir doch sicher einen Gefallen machen? Ich steh dann tief in deiner Schuld! Meiner Oma geht’s gar nicht gut... Und auf Zimmer 437 gibt’s noch ein wenig Zutun...” der Mitarbeiter drückt ihr eine Krankenakte in die Hand.
Elsa bringt, wie so oft, kein Wort heraus. Sie weiss genau, dass Sörens verbliebene Grossmutter vor einiger Zeit gestorben ist. Sie kann sich aber einfach nicht gegen diese Ungerechtigkeit wehren... Sie lächelt scheinbar gönnerhaft und hebt eine Hand, während Sören schon Richtung Ausgang verschwindet.
Bei Zimmer 437 steht sie missmutig im Eingang und schaut angeekelt auf den Boden. Der letzte Patient hatte hier über den ganzen Boden und aufs Bett erbrochen. Es ist niemand mehr im Zimmer. Elsa schreit innerlich auf über diese Ungerechtigkeit. Sören hatte den Patienten bestimmt schon als erledigt abgegeben und sie kann sich nicht einmal die Arbeit anrechnen lassen.
Es ist einfach unmöglich. Beim brutalsten und nervenzerreissendsten Film hat sie keine Angst und lacht mit ihrer besten Freundin Marie über die klischierten Plots - aber jetzt fühlt sie die eiskalte Angst hochsteigen, wenn sie sich vorstellt, vor dem ganzen Team für ihr Recht einstehen zu müssen. Und Sören weiss das ganz genau...
Als Elsa die Kotze des Patienten aufwischt, denkt sie sich: "Wieso mache ich das überhaupt? Sören schiebt immer die Drecksarbeit auf mich ab... Aber ich hab genug! Aber wie kann ich mich gegen Sören wehren?".
Dabei steigt eine Erinnerung an ihre Kindheit auf. An die ungeheure Ungerechtigkeit, die den beiden Familienhunden, Ryu und Reiko angetan wurde. Jemand hatte sie vergiftet! Die Hunde hatten niemanden etwas getan, wie konnte jemand nur so böse sein?
Elsa schüttelt die Erinnerung ab und mit einem Seufzer räumt sie das Putzmaterial weg, sie muss noch mehrere Patient betreuen, da kann sie nicht Tagträumen. Den restlichen Tag ist sie mit ihren Patienten beschäftigt.
Am nächsten Tag geht Elsa zur Arbeit, sie hatte keine Horror-Streifen geguckt, dafür den ganzen Abend herumgegrübelt, wie sie ihre Situation ändern soll. Da sieht sie beim Anschlagbrett ein Inserat: "Notfallstation: Aushilfe gesucht".
Wow, das wäre eine Möglichkeit von der schlechten Behandlung von Sören zu entkommen! Elsa denkt nach: "Ich könnte in eine andere Abteilung gehen, weg von Sören, neue Leute kennen lernen. Auf der anderen Seite, dann würde ich einfach von meiner jetztigen Situation fliehen...". Nur sie will eigentlich nicht wegen Sören davon rennen, Elsa mag die andere Mitarbeiter und es hat einige freundliche Patienten die sie nicht im Stich lassen will. Auch mit Marie arbeiten findet sie toll. Was soll sie tun?
Durchhalten und weitermachen!
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